Paris für Fortgeschrittene: Was ihr vielleicht noch nicht über die Stadt der Liebe wusstet

Wie ihr ja vielleicht wisst, war ich letztes Wochenende in Paris. Da der Aufenthalt diesmal äußerst ereignisreich war und ich auch ein wenig in das Pariser Nachtleben eingetaucht bin, kam ich leider nicht wie gewünscht zum täglichen Bloggen. Was ich diesmal wieder alles Neues erfahren und gelernt habe, möchte ich jedoch nicht vorenthalten. Le voilà:

  • Phantom-Stationen

Was viele nicht wissen: In Paris gibt es Metro-Stationen, die nie oder nur für kurze Zeit in Betrieb waren. Entweder sind diese Stationen von außen unsichtbar oder es gibt einen Eingang, der aber zugemauert ist. Toll auch: In den Gängen kann man zum Teil noch Werbung aus längst vergangenen Zeiten bewundern. Wer sich diese verlassenen Metro-Stationen einmal ansehen möchte, kann dies dank des Metro-Freundesvereins ADEMAS auch tun. Der Verein bietet regelmäßig geführte Touren durch die verlassenen Stationen an (Buchungen:http://ademas.assoc.free.fr/balades.htm). Mehr Infos zu den Phantom-Stationen gibt es hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Ghost_stations_of_the_Paris_M%C3%A9tro

Phantom Stationen Paris

  • Bestes Baguette (Metro: Plaisance)

Jedes Jahr im Frühjahr wird in Paris das „beste Baguette von Paris“ durch eine Jury aus Gastronomen, Prominenten und Bürgern gekürt. Die Wahl fiel diesmal auf eine Bäckerei im 14. Arrondissement, 156, rue Raymond Losserand, die – witzigerweise – von einem Araber betrieben wird. Die Bäckerei hat nun das Privileg, ein Jahr lang den Elysee-Palast, wo der französische Staatspräsident residiert, mit seinen Baguettes zu beliefern. Da ich leider selbst keine Zeit mehr hatte, das Baguette zu testen, möchte ich an dieser Stelle dennoch gerne auf zwei Qualitätskennzeichen eines guten Baguette eingehen. Das gute Baguette „kracht“, wenn man es in zwei Hälften teilt. Außerdem ist die Struktur durch unregelmäßige Luftbläschen charakterisiert.

  • Liebesschlösser

Paris – Stadt der Liebenden. Der „Pont des Arts“ ist traditionell eine Brücke, auf der sich verliebte Pärchen bei schönem Wetter treffen und den Sonnenuntergang beobachten. Und diese Brücke beherbergt auch unzählige Liebesschlösser, die Pärchen bei ihrem Aufenthalt in der Stadt der Liebe als Zeichen ihrer Liebe hinterlassen. Aber nicht allein an dieser Brücke, auch an anderen Brücken sieht man mittlerweile Liebesschlösser hängen.

Liebesschlösser Paris

  • Sainte Chapelle (Metro: Chatelet – Les Halles)

Die Markt-Hallen waren der Bauch von Paris, den Emile Zola in seinem Werk beschrieb. Die Kirche St. Eustache in direkter Nachbarschaft diente den Händlern der „Hallen“ dabei als eine Art soziale Begegnungsstätte. Eine bunte Skulptur im Seitenschiff der Kirche erinnert an den bewegten Auszug der Obst- und Gemüsehändler aus den Hallen von Paris im Jahr 1969. Daher auch der Beiname der Kirche „église des solidarités“. Obdachlose, die sich unter tags aufwärmen wollen, sind hier jederzeit willkommen.

  • Kaufhäuser

Galeries Lafayette und Printemps auf den „Grands Boulevards“ – wie man mir gesagt hat, gehen hier fast nur noch Touristen einkaufen. Die echten Pariser hingegen zieht es eher in die beiden Kaufhäuser BHV beim Rathaus (Métro: Hotel de Ville) oder ins „Au bon Marché“ auf der Rive Gauche (Metro: Sèvres-Babylone). Dennoch lohnt es sich, auch dem Touristen-Kaufhaus „Printemps“ einen Besuch abzustatten. Dieses verfügt nämlich über ein Panorama-Restaurant auf dem Dach (Deli-Cieux), von wo aus man einen wunderbaren Blick über Paris und den nahe gelegenen Montmartre genießen kann – und das zu einigermaßen moderaten Preisen. Ins Jugendstil-Kaufhaus „Samaritaine“, das 2005 geschlossen wurde, soll übrigens ein Hotel sowie Büros und Wohnungen einziehen.

Bon Marché Paris

  • Les Halles

Das alte Hallenviertel erhält bis zum Jahr 2016 ein neues, attraktives Gesicht und soll das neue Herz von Paris werden. Die rund eine Milliarde teuren Umbauarbeiten sind aktuell in vollem Gange.  Die „Canopée“ (auf Deutsch „Blätterdach“), ein riesiges grünes Dach über dem Eingangsbereich des „Forum les Halles“ und Teilen des dahinterliegenden Parks, soll 2014 fertig werden.

  • Weiße Kacheln in der Métro

Vor über 100 Jahren wurde die Pariser Métro nach langen Diskussionen zur Weltaustellung endlich in Betrieb genommen. Viel hat sich seither geändert, doch die weißen Wandfliesen sind geblieben. Wisst ihr, warum damals die Wahl auf weiße Fliesen fiel? Nun, als die Métro gegründet wurde, war Licht noch nicht in dem Maße verfügbar wie heute. Damit man trotzdem einigermaßen erhellte Stationen hinbekam, entschied man sich für die weißen Fließen, da diese das Licht besser reflektieren.

Weiße Kacheln Metro

  • Verkehrberuhigung

„Les Francais aiment la Bagnole“, die Franzosen lieben das Auto, sagte Staatspräsident Georges Pompidou einst. Das war 1977. Mittlerweile haben die Pariser das Verkehrschaos und den Lärm durch Autos aber satt, wie mir auch meine Gastgeberin, die nahe der belebten Rue de Rivoli wohnt, bestätigte. Zahlreiche Initiativen der Pariser Stadtverwaltung zielen darauf ab, die Autos peu à peu aus der Innenstadt zu vertreiben. Vor kurzem wurde erst die Place de la Republique weitgehend für den Verkehr gesperrt, im Juni dieses Jahres wurde ein 2,5 Kilometer langer Abschnitt auf dem linken Seine-Ufer zwischen der Pont de l’Alma und dem Musée d’Orsay zu einer autofreien Zone umgebaut. Errichtet wurden ein Park entlang des Flusses, Fußgängerzonen, schwimmende botanische Gärten, ein Blumenmarkt auf Lastkähnen, Sportmöglichkeiten (Kletterwand, Leichtatlethikbahn) und mehrere Restaurants.

  • Grünes Paris

Wer sich im 2. Arrondissement von Paris umsieht (Ecke rue d’Aboukir/rue des Petits Carreaux) , wird vielleicht auch die 250 Quadratmeter große grüne Wand (mur végétal) entdecken, die von Patrick Blanc 2013 realisiert wurde. Die „Oasis  d’Aboukir“ geht auf eine Privatinitiative zurück und ist ein Beispiel dafür, wie Paris allmählich einen grünen Anstrich erhält.

Hier mehr Informationen dazu: http://www.murvegetalpatrickblanc.com/realisations/paris-ile-de-france/loasis-daboukir-paris-angle-rue-d-aboukir-rue-des-petits-carreaux

Oase Aboukir

  • Velib‘

Achtung – Kostenfalle! Das öffentliche Fahrrad-Verleihsystem „Velib'“ ist – sofern man keine Angst vor den Pariser Autofahrern hat – eine tolle Sache. Viele Touristen lesen sich allerdings die Tarifinformationen nicht gründlich durch und kumulieren so bei der Nutzung während eines ganzen Tages eine hübsche Summe. Nochmals zum Mitschreiben: Das Fahren mit den Rädern in der ersten halben Stunde ist kostenlos. Die zweite halbe Stunde kostet 1 Euro, die dritte halbe Stunde 2 Euro und jede weitere halbe Stunde 4 Euro. Der Trick besteht nun darin, das Fahrrad nach 29 Minuten wieder an einer der über die Stadt verstreuten Fahrradstation abzugeben, eine Minute zu warten, um dann mit dem gleichen Rad seine Tour fortzusetzen usw. So ist Fahrrad fahren in Paris – abgesehen von einer Abopauschale – tatsächlich kostenlos!

Paris per Rad erkunden

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